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Ein kleines Resümee des Corona Crashs

Geldanlage | 13.01.2020 | Autor: Felix Crombach

Private Anleger greifen beherzt zu

Was war das für ein Jahresstart. Ende Februar war die Stimmung prächtig an der Börse und die Indizes kletterten auf neue Höchststände. Man hatte schon etwas von Corona gehört, aber nur weit entfernt, denn China ist ja weit weg.
Dann plötzlich wurde es ernst und die Börsen reagierten schnell, sehr schnell. In den wenigen Wochen, in denen es abwärts ging, wurden viele neue Rekorde aufgestellt. Größter Verlust in fünf Wochen, höchster Stand des VIX (Volatilität Index), negative Ölpreise am Future-Markt, größter absoluter Tagesverlust im Dow Jones und ein noch nie da gewesenes Ausmaß an Geldmengen, die von den Notenbanken bereitgestellt wurden.

Viele Anleger hatten zum ersten Mal erlebt wie es ist, wenn Kurse stark fallen. Die letzten 11 Jahre ging es ohne große Unterbrechungen nach oben und viele große Indizes haben sich mehr als verfünffacht. Doch wie auch in meinem Bekanntenkreis war die Stimmung erstaunlicherweise sehr entspannt und viele haben die Kurse zum Nachkaufen genutzt. Denn normalerweise sind die privaten Anleger diejenigen, die bei größeren Kursrückgängen ihre Anlagen verkaufen je mehr die Kurse fallen.
Anscheinend hatte sich der Gedanke durchgesetzt „der Rückgang kommt nur durch das Virus und der wird ja wohl wieder verschwinden“. Naiv könnte man diesen Gedankengang schon nennen, da ein weltweiter Lockdown weit komplexere Folgen haben könnte. Wie wir jetzt wissen, sollten sie in weiten Teilen bis jetzt jedoch Recht behalten und ein schönes Plus im Depot verbuchen können. 

Die gefallenen Engel

Doch im Corona-Schlussverkauf wurden nicht nur Unternehmen eingekauft, denen es vor dem Crash noch gut ging und die im Anschluss wieder auf neue Höchststände gestiegen sind. Sehr beliebt bei den Privatanlegern waren die stark von dem Lockdown gebeutelten Unternehmen wie beispielsweise aus der Reise- oder Ölbranche. Viele dieser Unternehmen haben sich im Preis mehr als gedrittelt und suggerierten so eine Unterbewertung.
Provokant formuliert könnte man sagen, dass sich fast Niemand für Unternehmen wie TUI, Shell oder eine Lufthansa interessiert hätte, wären sie nicht scheinbar so günstig geworden. Denn i.d.R. ging es den Unternehmen schon vor dem Crash nur mäßig gut und sie entwickelten sich seit Jahrzehnten nur seitwärts.
Bemerkenswert ist auch hier, dass diese eher von institutionellen abgestoßen und von privaten Anlegern gekauft wurden, da viele Unternehmen Schwierigkeiten hatten eine Insolvenz abzuwenden.
Wer unsere simplen drei Regeln der Geldanlage kennt, weiß dass diese Art der Anlage eher in die Kategorie Spielgeld einzuordnen ist. Bis zur sehr erfreulichen Nachricht von BioNTech über den Zulassungsantrag eines Corona-Impfstoffs hat man mit diesen Unternehmen kein Geld verdient.
Ich wünsche es dennoch jedem, dass diese Anlagestrategie auf geht.

Geschenktes Öl

Diese sonderbare Krise hat nicht nur starke Kursrückgänge mit sich gebracht.
Wir haben zum ersten Mal überhaupt negative Preise am Terminmarkt im Öl gesehen. Auf dem Terminmarkt können sich Marktteilnehmer Öl für einen bestimmt Termin einkaufen und verpflichtet sich dabei zu den genannten Fälligkeiten dieses Öl auch abzunehmen. Diese Verpflichtung wurde aus drei Gründen für manche zum Verhängnis. 

Zum einen ging die Nachfrage durch den weltweiten Lockdown zurück, die Förderung wurde aber nicht entsprechend zurückgefahren. Des Weiteren nutzten andere Marktteilnehmer die niedrigen Kurse um Öl zu kaufen und diese auf Öltankern zu lagern.
So kam es, dass jeder, der am Fälligkeitstermin am 21.04.2020 Ölkontrakte hielt, keine Abnehmer dafür fand und die Lagermöglichkeiten auch ausgereizt waren. In der Panik das Öl unbedingt loswerden zu müssen wurden in der Spitze 42$ pro Barrel bezahlt, damit man das Öl loswurde.
Das ist wie wenn Sie zur Tankstelle fahren und für jeden Liter Geld bekommen, den Sie tanken.

Die peinlichste deutsche Erfolgsgeschichte

Wie lässt man 1,9 Mrd. Euro verschwinden? Fragen Sie Jan Marsalek.
Der Fall Wirecard wurde schon endlos diskutiert und vielseitig beschrieben. Deswegen werde ich hier jetzt nicht weiter darauf eingehen. Doch was können wir daraus lernen?

Mir ist bewusst, dass viele Privatanleger mit dieser Aktie Geld verbrannt haben und ich habe auch in meinem Bekanntenkreis Geschädigte. Damit dieser Verlust aber nicht sinnlos ist, sollte man es in Lerngeld verwandeln. Um es zu vereinfachen möchte ich mich auf unsere drei simplen Grundregeln der Geldanlage beziehen; Weltweit gestreut in große Marktführer mit einem Zeithorizont von mindestens 10 Jahren investieren.
Bei einer ausgewogenen Streuung hätte der Totalverlust einer einzigen Position nicht schmerzhaft sein dürfen. Wenn doch, war die Position zu groß. Zudem gab es im Vorfeld viele Anzeichen, die einen zumindest hätten aufhorchen lassen sollen, getreu dem Spruch „Wo Rauch ist, ist auch Feuer“.
Zudem kann man sich die Frage stellen, wie viele der Anleger das Geschäftsmodell inklusive der ganzen Subunternehmen und komplexen Transaktionen wirklich verstehen und bewerten können. 

Leider zieht diese Entwicklung viel negative Erfahrung mit sich und viele schließen das Thema mit „die Aktienanlage funktioniert nicht“ für sich ab. Dieser Skandal eines Unternehmens im bekanntesten deutschen Aktienindex (Dax) schädigt auch unser Ansehen weltweit und das ist sehr schade.
Sollten Sie auch zu den Geschädigten gehören, sorgen Sie dafür, dass dieses Ereignis einzigartig bleibt und Sie sich in Zukunft breiter aufstellen mit kleineren Gewichtungen der einzelnen Positionen.

Die Euphorie ist zurück

Schaut man sich die Aktienindizes an, könnte man auf den Gedanken kommen, dass es der Weltwirtschaft blendend geht. Wir sehen fast überall neue Höchststände, außer beim DAX. (Dieser ist der wahrscheinlich schlechteste Index um die Wirtschaft in Deutschland zu messen, weit besser: MDAX, SDAX).
Man kann die Stimmung der Anleger in verschiedenen Indikatoren messen. Diese bezieht sich darauf, wie die Anleger die kurzfristige Entwicklung einschätzen. Gute Beispiele dafür ist der Fear & Greed Index von CNN oder das AAII Investors Sentiment. Legt man die Graphen der Stimmung über einen marktbreiten Aktienindex, sieht man schnell, dass die Bewegung grob antiproportional verläuft. Dass auf Stimmungshochs i.d.R. fallende Kurse folgen und umgekehrt, lässt einen stutzen. Ich werde demnächst in einem weiteren Blog Artikel genauer drauf eingehen, warum dem so ist.
Im Corona Tief fielen die Indikatoren auf historische Tiefststände und blieben im Anschluss weiter lange im negativen Bereich. Das bedeutet, dass die sich anschließende Erholung mit kritischem Blick der Anleger beäugt wurde. Tatsächlich ist das völlig normal in einem Bullenmarkt. Kurz gesagt: Wenn jeder von steigenden Kursen ausgeht, ist er entsprechend investiert. Und wer kauft dann noch?

Mit dem Verkünden der Nachricht über den Corona Impfstoff hat sich die Stimmung schlagartig in ein positives Extrem verwandelt und das ist mehr als bemerkenswert. Diese Euphorie kann einen starken kurzfristigen Schub an den Märkten auslösen, doch ist das für die weitere Entwicklung eher ungesund. Wir werden es in den kommenden Wochen erleben.

Damit wünsche Ihnen alles Gute.

Ihr
Felix Crombach